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Klangforschung: Das Geheimnis der Stradivari
Unnachahmlich - so beschreiben Geigenvirtuosen den Klang der Violinen, die Antonio Stradivari vor 300 Jahren fertigte. Und bezahlen horrende Preise dafür. Ein Forscher aus Texas will das Geheimnis gelöst haben und bietet Spitzenviolinen zum Niedrigpreis an.
Er ist Chemiker und behauptet, Violinen bauen zu können, die Stradivaris Instrumenten klanglich in nichts nachstehen. Doch wer sich einen Vergleich mit dem großen Meister der Geigenbaukunst zutraut, den bedenken die Leute vom Fach mit Misstrauen: Geigenbauer und -händler betrachten Joseph Nagyvary von der A&M University in Texas als Eindringling in ein Metier, das vom Mythos des Einzigartigen lebt.
Antonio Stradivari, vermutlich 1644 in Cremona geboren, hat die Geigenbau-Tradition seiner Heimatstadt weltberühmt gemacht. Als Schüler des ebenfalls genialen Meisters Nicola Amati hat er nicht nur die Form der Violine perfektioniert: Seine Instrumente sind auch durch ihr besonderes Timbre und die Tragfähigkeit des Tons von einer Qualität, die bis heute nie wieder erreicht worden ist: Nur die Geigen seines Zeitgenossen Giuseppe Guarneri können es an Klangschönheit mit einer "Stradivari" aufnehmen.
Stradivari soll in seinem Leben etwa 1100 Instrumente gebaut haben. Davon waren Anfang des 20. Jh. nur noch etwa 540 Violinen, 50 Violoncelli und zwölf Bratschen bekannt; etwa 200 weitere Instrumente wurden seitdem von Experten dem Werk Stradivaris zugeschlagen.
Der Preis der raren Instrumente - die besten Exemplare sind mehrere Millionen Mark wert - steigt weiter durch deren Unnachahmlichkeit: Denn das "Rezept", so vermutet man, hat Stradivari mit ins Grab genommen. Umso provozierender für die Geigenhändler ist es, dass der vorgebliche Nachahmer Nagyvary seine Instrumente zum Stückpreis von lediglich 10000 bis 30000 Mark anbietet. Das unterläuft selbst den Marktwert moderner Geigen: Auch für diese bezahlen Berufsmusiker gut und gerne bis zu 100 000 Mark.
Doch unzählige Experimente haben den Naturwissenschaftler Nagyvary, der sich auch zum Geigenbauer ausbilden ließ, in seiner Vermutung bestätigt, dass das Geheimnis der Stradivari-Geigen weniger in der handwerklichen Kunstfertigkeit des Meisters liegt als vielmehr in der Beschaffenheit des Materials, das er verwendet hat.
Das Monopol für den Holzhandel der ganzen Region lag damals bei den Venezianern. Die Baumstämme dümpelten mitunter monatelang nach dem Flößen im Brackwasser der Lagune und nahmen dabei neben einigen Mineralien auch Salze auf - laut Nagyvary eine wichtige Ausgangsbasis für das spätere gute Klangvermögen des Holzes.
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